grimm

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27-02-2022

10:55

Gestern Nacht hat die EU weitere Sanktionen beschlossen. Eine sticht hervor: die Sanktionen gegen die russische Zentralbank. Das ist die härteste Finanzsanktion, die denkbar ist. Sie wird schnell Wirkung zeigen und sie dürfte auch Putin überraschen. 🧵

Hintergrund: Jedes Land der Erde hat eine Art Sparbuch, einen Notstrumpf an Geld & Gold für schlechte Zeiten. Dieses Geld halten Zentralbanken. Russland hat in den letzten Jahren besonders fleißig gespart. Assets im Wert von $643 Milliarden konnte das Land anhäufen

Wie teilt sich dieses Vermögen auf? Die Übersicht hier: Die Mehrheit in Euro, immer weniger Dollar, eine Minderheit in chinesischen Yuan.

Dieses Geld ist wortwörtlich die letzte Reserve der russischen Volkswirtschaft. Es war die Lebensversicherung der russischen Regierung, um Sanktionen zu begegnen. Warum?

Die Zentralbank hätte mit diesem Geld den Fall des Rubels, der eigenen Währung, bremsen, Inflation bekämpfen und russischen Banken Kreditlinien gewähren können.

Hintergrund: Währungen sind wie alle Handelsgüter im Regelfall Angebot und Nachfrage unterworfen. Wird sie weniger nachgefragt, sinkt ihr Wert. "Der Rubel stürzt ab". Zentralbanken können dann mit Stützkäufen künstliche Nachfrage schaffen und den Absturz abbremsen

Jetzt ist die russische Zentralbank machtlos. Diese Sanktion wird alle Bürger Russlands treffen, vor allem natürlich die ärmeren, die kein Offshore-Vermögen wie z.B. Immobilien in Berlin haben.

Dazu kommt, dass es russischen Unternehmen (auch der Rüstungsindustrie) nun schwerfallen wird, im Ausland auch nur eine Schraube zu kaufen. Den Rubel will ja niemand haben, Dollars oder Euro sind nun Mangelware in Russland.

Wenn es Geschäfte gibt (großes Wenn, gibt ja noch die anderen Sanktionen) wird die russische Seite extrem viel Rabatt geben müssen oder besonders viel draufschlagen. Risikoprämien sind das.

Es gibt Hinweise, dass Putin mit dieser EU-Sanktion gegen Russlands Reserven nicht gerechnet hat:

1. Seit 2018 hält die RU-Zentralbank fast keine US-Staatsanleihen mehr. Die hatte sie nach den Krim-Sanktionen alle Schritt für Schritt verkauft, um Abhängigkeit von US-System zu verringern. 2. Das Gleiche passierte mit den Dollarreserven. Wohin aber schob Russland das Geld?

Einen kleineren Teil in den chinesischen Yuan, den weitaus größeren aber in Euros. Hätte Putin das gemacht, wenn er damit gerechnet hätte, dass die EU diese Gelder einfriert? Nope.

Die Frage nun ist: Wo GENAU liegen die Milliarden-Reserven. So etwas ist nicht öffentlich. Da muss man Excel-Tabellen studieren und rechnen. Gottseidank hat das jemand für uns gemacht:

TL:DR - Mutmaßlich liegen große Teile des russischen Staatsvermögens in Frankfurt am Main, bei der deutschen Bundesbank. Etwas auch in Frankreich und Österreich, auf jeden Fall innerhalb des Euroraums und damit unter dem Zugriff der EU.

Sanktionen dieser Art gegen ein Land dieser Größe hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Die USA haben Afghanistan nach der Taliban-Übernahme das Geld entzogen, auch Venezuela nach dem Putsch.

Aber das hier ist eine andere Hausnummer. Wenn am Montag die Märkte öffnen und russische Unternehmen ihre Arbeit wieder aufnehmen wollen, werden sie merken, dass ihr komplettes Finanzsystem (erstmal) im Chaos versinkt.

Kreditkarten werden nicht mehr funktionieren, Rechnungen im Ausland in Dollar könnten offen bleiben, mutmaßlich wird Russland seine in Dollar laufenden Staatsschulden stunden müssen

"Bank Runs" wären plausibel, die russischen Bürger und Bürgerinnen holen schnell noch alles raus, was geht. Das wiederum bringt alles andere ins Wanken, weil Banken auf so etwas nicht vorbereitet sind.

Alternativen gibt es für Russland, aber sie gleichen nicht aus, was verloren geht. Die Goldreserven? Ja, viel Glück, mit einem Barren Gold für irgendetwas zu bezahlen. Die Yuan-Reserven? Groß, aber nicht ausreichend. Zumal Chinas Nachfrage auch nicht unendlich ist.

FAZIT: Die Sanktion gegen die RU-Zentralbank sitzt. Sie wird Putin überraschen. Und wir müssen es sagen, wie es ist: Die EU verschärft hier den Konflikt, den "Finanzkrieg" bis zum Äußersten. Swift abschalten ist nervig für Russland, diese Sanktion aber geht an die Gurgel.



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